Die Steiermark hat nicht nur Äpfel, Kernöl, Wein - sondern auch vieles, was aufregt. Eine Parteienfeindschaft aus SPÖ-ÖVP, die erst das Landesbudget ausufern ließ und dann als "Reformpartnerschaft" stolz auf Trockenlegungsmaßnahmen ist. Eine Rennstrecke, die so oft den Namen wechselt wie Niki Lauda F1-Weltmeister war. Ein Nightrace in einem für die Grüne Mark fast zu glamourös geratenen Skiort.
Gemeint sind natürlich Ö-Ring/A1-Ring/Red Bull-Ring - und die Ski-Stadt Schladming. Grenzübergreifende Aufreger gibt es an allen gebirgigen Ecken und Enden des Landes, nicht nur in Wahlkampfzeiten. Wie zum Beispiel Eisenbahntunnels - Stichwort Semmering und Koralm. Die stellt kaum einer der rund 1,2 Millionen Bewohner des Landes infrage, in Wien und den dortigen Medien hingegen würden die meisten sie zwecks Bundesbudgetsanierung gern gleich wieder zuschütten. Apropos Bewohner: Mit 1. Jänner 2015 hatte die Steiermark bei einer Fläche von 16.401 Quadratkilometern die erwähnten 1,221.014 Millionen Bewohner und liegt damit auf Rang vier von neun Bundesländern, nach Wien, Niederösterreich und Oberösterreich. Als exportorientiertes Industrieland bekommt die Steiermark internationale Krisen schnell zu spüren: im Februar waren 56.290 Steirer und Steirerinnen arbeitslos.
Der größte Teil der in der Steiermark lebenden Menschen ballt sich in drei Räumen zusammen: Graz, Mur-Mürz-Furche und Aichfeld - in letzterem kommen die größten Schallemissionen aber nicht von der Bevölkerung. Dafür sorgen nämlich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen mächtige Maschinen und riesige Verstärker: Formel 1-Autos und - aktuell - AC/DC am "Ring" in Spielberg sowie Eurofighter und Air Power am Fliegerhorst Zeltweg.
Statistisch gesehen ist die Steiermark manchmal Erster, manchmal Zweiter: Erster z. B. bei der Forschungsquote von 4,7 Prozent, zweiter mit Graz im Ranking der größten österreichischen Städte (nach Einwohnern gerechnet: 276.526 Einwohnern mit Stand 1. Jänner 2015), bei der Landesfläche von 16.401 Quadratkilometern nach Niederösterreich und beim europäischen Grand Prix um den zweiröhrigen Straßentunnel (der Plabutschtunnel mit 10 Kilometern und 85 Metern). Über den hat sich übrigens bisher kaum jemand aufgeregt, ebenso wenig wie über den Semmering-Schnellstraßentunnel.
Was so alles aus der Steiermark kommt - neben exportschlagerartigen Weichen und langen Schienen aus voest-Erzeugung und Allradfahrzeugen aus dem Magna-Steyr-Werk, die von USA bis Australien unterwegs sind: Wein. 3.940 Hektar Rebfläche geben je nach Niederschlag und Sonnenschein rund 300.000 Hektoliter vor allem Weißwein her - den zu einem Gutteil allerdings die an Herbstwochenenden zuhauf anreisenden Restösterreicher wegtrinken. Äpfel, "frisch - saftig - steirisch", wachsen vor allem in der Oststeiermark auf rund 5.800 Hektar. Aus ihnen wird statistisch gesehen jeder zweite Wiener Apfelstrudel gebacken und im Apfelland das "Steiramisu" gemacht - sehr einfach: Kaffee und Mascarpone weglassen, dafür Apfelmus, Apfelsaft und Apfelspalten verwenden.
Kernöl: Bis zu zwei Millionen Liter im Jahr
Und überhaupt: Kürbiskernöl. Keine Steiermark-Geschichte und kein steirischer Salat kommt ohne aus. Angebaut auf 12.000 Hektar bei steigender Tendenz erpressen sich die Steirer bis zu zwei Millionen Liter im Jahr. Wird mittlerweile sogar von Hoteldieben zum Verwischen ihrer Einbruchsspuren verwendet - kein Steirer-Schmäh, sondern geschehen Mitte April im oststeirischen Riegersburg.
Höhepunkt des steirischen Gesellschaftslebens sind die Opernredoute und der mit 16.000 Besuchern wahrscheinlich größte Ball der Welt, der Bauernbundball. Neben dem Narzissenfest Ende Mai im Ausseerland. Aber da sind die Blumen Hauptdarsteller - und in der Überzahl. Höchster Punkt der Steiermark ist der Hohe Dachstein mit 2.995 Metern Seehöhe - es gibt allerdings auch einen Niederen Dachstein, immerhin auch 2.934 Meter hoch. Ersteren teilt sich die Steiermark mit Oberösterreich, zweiterer gehört ausschließlich den Oberösterreichern. Zum noblen 3.000er wird der Dachstein immer wieder von manchem Touristiker und auf Ansichtskarten erhoben - da ist dann von 3.004 Metern die Rede. Immerhin: Das Gipfelkreuz eingerechnet kommt man eventuell knapp über 3.000 ... Der steirische Tiefpunkt ist übrigens aus Wasser und liegt dort, wo der mit 290 Kilometern längste steirische Fluss, die Mur, aus dem Land hinausdrängt: auf 200 Meter Seehöhe östlich von Bad Radkersburg an der Grenze zu Slowenien.
Vor fünf Jahren - bei der letzten Landtagswahl 2010 - gaben die Steirer noch in 541 Gemeinden in 16 Bezirken sowie der Statutarstadt Graz ihre Stimmen ab. Nun sind es 286 Gemeinden plus Graz, die zum Teil gegen heftigen, bis zum VfGH gehenden Widerstand zusammengelegt wurden: Die steirische Verwaltung wurde in den vergangenen drei Jahren von SPÖ und ÖVP kräftig reorganisiert bzw. fusioniert. Neben Graz gibt es nun ein Dutzend Bezirke und eine Expositur - Gröbming im Bezirk Liezen, der flächenmäßig größte Bezirk Österreichs.
Die ebenfalls im Bezirk Liezen befindliche Expositur Bad Aussee wurde aufgelöst. Was 2011 zu heftiger Verschnupfung im selbstbewussten Ausseerland führte, kostete es doch das lieb gewonnene Autokennzeichen "BA". LH Franz Voves (SPÖ) wurde von den "Arbeitertrommelweibern" die 2005 verliehene Mitgliedschaft gekündigt. Womit man auch gleich beim "steirischen Brauch" ist: Trommelweiber und Flinserl sind die Hauptfiguren des Ausseer Faschings. Eingeleitet wird das Faschingsfinale durch die Trommelweiber, ein mit Nachthemden und Spitzenhäubchen maskierter, mehr lärmender als musizierender "Männerbund". Seit 1928 gibt es auch die "Arbeitertrommelweiber", die viele SPÖ-Mitglieder in ihren Reihen haben.
Und noch eine Kleinigkeit zum Thema Verwaltung: Das steiermärkische Landesverwaltungsgericht findet sich in der Grazer Salzamtsgasse 3 - ist auf jedem Stadtplan nachzuprüfen.
Wenn das Steirer-Kind beim Namen genannt wurde, waren vor einigen Jahrzehnten noch - gut katholisch - Maria und Josef erste Wahl. Vielleicht auch noch Franz, wie der jetzige Landesvater. Beugt man sich heute zwischen Mandling und Bad Radkersburg über einen Kinderwagen und erspäht darin ein Mädchen-Gesicht, ist es sehr wahrscheinlich eine Anna. Bei einem - steirischen - Bübel liegt man nicht allzu falsch, wenn man es mit Luca oder Luka versucht.
(APA)